Zusammenhalt in schwierigen Zeiten
Die Agrarminister der G7 üben den Schulterschluss. Bei ihrem Treffen am Montag (19.10.) in Paris vereinbarten die Ressortchefs, geopolitischen Schocks gemeinsam zu begegnen. Probleme gibt es etwa bei der Düngemittelversorgung. Die Bauernverbände der sieben Staaten verlangten einen klaren Fokus auf Ernährungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen rief dazu auf, sich besser an Krisen anzupassen. Bloßes Reagieren reiche nicht aus. Bei Düngemitteln will der Luxemburger die Bezugsquellen breiter streuen. Die Schließung der Straße von Hormus habe gezeigt, wie verwundbar man bei zu großer Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten sei. Hansen will transparentere Märkte Hansen forderte von den G7-Partnern mehr Transparenz bei Marktdaten. Zudem müssten organische Dünger stärker genutzt werden. Daneben verwies er auf mikrobielle Technologien. Sie könnten die Abhängigkeit von Energiekosten verringern. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer lobte den engen Zusammenhalt der Gruppe in unsicheren Zeiten und sprach von einem "Stabilitätsanker". Verlässliche Partnerschaften, offene Märkte und wissenschaftliche Kooperation seien entscheidend für die Zukunft der Land- und Ernährungswirtschaft. Nötig sei ökonomische Widerstandskraft. Sie beginne bei gesunden Böden und reiche bis zu stabilen Lieferketten. Deutschland und Kanada wollen Handel ausbauen Am Rande der Konferenz unterzeichneten Rainer und sein kanadischer Amtskollege Heath MacDonald eine Erklärung zum Ausbau des bilateralen Handels. Im kommenden Jahr will der CSU-Politiker nach Kanada reisen. Frankreichs Landwirtschaftsministerin und Gastgeberin Annie Genevard kündigte für den 3. und 4. Dezember einen Wissenschaftsdialog an. Ausrichter ist das französische Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Lebensmittel und Umwelt (INRAE). Führende Agrarforscher der G7 sollen dann ermitteln, welche Prioritäten sie gemeinsam setzen, wo Forschungsbedarf besteht und wie sie bei Bodengesundheit und Nährstoffmanagement zusammenarbeiten können. Bereits am 19. und 20. November kommen die ranghohen Veterinärvertreter der Gruppe in der französischen Hauptstadt zusammen. Themen sind biologische Bedrohungen und Desinformation. Verbände sehen Landwirtschaft unter Druck Sieben führende Bauernverbände legten anlässlich der Tagung ein gemeinsames Papier vor. Unterzeichnet haben es unter anderem der Deutsche Bauernverband (DBV), der französische Bauernverband (FNSEA) sowie die britische und die US-amerikanische NFU. Wie die Organisationen deutlich machen, leiden Landwirte weltweit unter politischen Unsicherheiten, steigenden Energie- und Düngerpreisen und zunehmenden Handelskonflikten. Eine leistungsfähige Agrarwirtschaft sei strategisch wichtig für die Versorgung, die Wirtschaft und starke ländliche Räume. Die Regierungen werden aufgefordert, die Höfe bei hohen Energie- und Betriebsmittelkosten gezielt zu entlasten. Außerdem verlangen die Verbände belastbare Lieferketten und weniger Bürokratie. Nötig seien faire Märkte, stabile Handelsbeziehungen, ein besserer Zugang zu modernen Technologien und praxistaugliche Nachhaltigkeitsauflagen. Ernährungssicherheit nicht zum Nulltarif DBV-Präsident Joachim Rukwied stellte klar: "Ernährungssicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Wer eine starke und zukunftsfähige Landwirtschaft will, muss dafür sorgen, dass unsere Betriebe wettbewerbsfähig bleiben." Neue Belastungen, ausufernde Bürokratie und politische Unwägbarkeiten schwächten die Branche. Die G7 müssten jetzt handeln und Planungssicherheit für Investitionen und Innovationen schaffen. AgE

