Die Gespräche gehen weiter
Die Türkei und die Vereinten Nationen (UN) drängen weiter auf Verhandlungen mit der Ukraine und Russland, um die Angriffe auf dem Schwarzen Meer zu stoppen und einen gefahrlosen Getreidetransport sicherzustellen. Das meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Laut hochrangigen Diplomaten sollen "Anfang Oktober" weitere Treffen stattfinden. Bereits Ende September fand während der UN-Generalversammlung eine geschlossene Sitzung zu der neuen Initiative statt. Anwesend waren Vertreter der Türkei, der Vereinigten Staaten, Europas, Indiens und Ägyptens. Die Ukraine meldete unterdessen, dass sie vier Vorschläge von internationalen Partnern zu möglichen Waffenstillstandsformaten erhalten habe, aus der Türkei, Ägypten, Indien und den Vereinigten Staaten. Zwei davon beträfen direkt das Schwarze Meer und die Wiederaufnahme sicherer Getreideexporte, teilte Außenminister Andrii Sybiha mit. Indien habe ein breiteres Format vorgeschlagen, die USA eine separate Initiative für einen Waffenstillstand im Energiesektor. Die Türkei und Ägypten haben dem Minister zufolge Anstrengungen für einen sogenannten Lebensmittel- beziehungsweise Getreidewaffenstillstand unternommen. Laut Sybiha ist dieses Thema für Ägypten von besonderer Bedeutung, da etwa ein Drittel des Getreidebedarfs des Landes aus der Ukraine stamme und auch bedeutende Mengen von Russland bezogen würden. Für den Agrarmarkt blieben die Vorschläge der Türkei und Ägyptens sowie ein Teil der indischen Initiative entscheidend, fasste Sybiha den Stand der Verhandlungen zusammen. Es gebe aber noch keine konkreten Vereinbarungen. Kiew habe zugestimmt, die vorgeschlagenen Formate zu prüfen, doch die Umsetzung des Waffenstillstands rund um die Seetransporte hänge auch von der Position Russlands ab. Sovecon senkt Exportprognose Unterdessen senkte das Moskauer Forschungszentrum für Agrarökonomie (Sovecon) erneut seine Prognose für die russischen Weizenexporte in der Saison 2026/27, und zwar um 4,7 Mio. Tonnen. Erwartet wird nun eine Ausfuhrmenge von 36,7 Mio. Tonnen; das wären 20% weniger als die 46 Mio. Tonnen des Vorjahres und das kleinste Exportvolumen seit 2021/22. Unverändert sind die Sovecon-Schätzungen für den Export von Gerste und Mais; hier wird jeweils mit rund 3 Mio. Tonnen gerechnet. Den gesamten Getreideexport beziffern die Marktanalysten nun auf 49,4 Mio t. Sovecon geht davon aus, dass sich die Exporte über das Schwarze und das Asowsche Meer bis 2027 nicht mehr normalisieren werden. Die Transportmengen lägen weiterhin deutlich unter dem Normalwert. Zwei der drei großen Getreideterminals in Noworossijsk sowie der Hafen von Tuapse seien zwar weiterhin in Betrieb, jedoch mit reduzierter Kapazität. Hinzu kommt laut Sovecon, dass die alternativen Exportwege nur allmählich an Bedeutung gewinnen. Im September seien rund 1 Mio. Tonnen Getreide per Eisenbahn transportiert worden, während der Umschlag über die Häfen in den baltischen Ländern von 0,25 Mio. Tonnen im August auf voraussichtlich 0,4 Mio. Tonnen gestiegen sei. Zudem sei mehr Ware über die russischen Häfen in der Ostsee und im Kaspischen Meer entlang des Wolga-Don-Kanals verschifft worden. Allerdings könnten die alternativen Routen den Ausfall der üblichen Exportwege bei Weitem nicht kompensieren. AgE

