Rukwied fordert "Sofortpaket"
Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet in diesem Jahr mit einer leicht unterdurchschnittlichen Getreideernte. In der am Dienstag (18.8.) vorgestellten Erntebilanz bezifferte Bauernpräsident Joachim Rukwied das Aufkommen auf 41,9 Mio. Tonnen, 7% weniger als 2025. Wie Rukwied ausführte, war das Jahr 2026 geprägt von einem zu trockenen Frühjahr und einer Hitzewelle in der zweiten Junihälfte. Witterungsbedingt gab es ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Vor allem in Süd- und Westdeutschland hätten fehlende Niederschläge zu "schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt", so der Bauernpräsident. Liquidität der Betriebe muss gesichert werden Die unterdurchschnittliche Ernte komme obendrein zu einer wirtschaftlich prekären Zeit, betonte Rukwied. Die Erzeugerpreise seien niedrig, die Kosten für Betriebsmittel wie Diesel, Dünge- und Pflanzenschutzmittel dafür hoch, was die Liquidität vieler Betriebe belaste. Rukwied forderte die Bundesregierung auf, ein "Sofortpaket" auf den Weg zu bringen, um die Zahlungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe zu sichern: "Unsere Betriebe brauchen aktuell Saatgut und Diesel, später Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Ohne die notwendige Liquidität sind sie nicht in der Lage die nächste Ernte zu finanzieren". Düngemittelhilfen über Berufsgenossenschaft auszahlen Konkret forderte der Bauernpräsident die Aufstockung der EU-Düngemittelhilfen von 60 Mio. Euro mit nationalen Mitteln auf 180 Mio. Euro. Ausgezahlt werden müssten diese Hilfen über die Berufsgenossenschaften, so der DBV. Dies sei ""in kürzester Zeit" umzusetzen, so Rukwied. Der DBV verfolgt damit eine andere Linie als der Deutsche Raiffeisenverband, der vor einer pauschalen Auszahlung der Düngemittelhilfen bei seiner Pressekonferenz in der vergangenen Woche explizit gewarnt hatte. Der DRV empfahl, gezielte Anreize für den frühzeitigen Kauf von Düngemitteln zu setzen. "Einfach, schnell, jetzt", betonte dagegen Rukwied. Die Hilfen müssen seiner Ansicht nach vor allem unbürokratisch ausgezahlt werden; eine Verknüpfung mit den Düngemitteleinkäufen für das kommende Frühjahr wäre damit nicht vereinbar. Flächenprämien früher zahlen und Dieselsteuer senken Um die Liquidität weiter abzusichern, müssen laut Rukwied zudem die Direktzahlungen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zu 80% frühzeitig im Oktober ausgezahlt werden, die restlichen 20% dann "garantiert" im Dezember. Ferner mahnte Rukwied eine "sofortige Reduktion der Steuer auf Diesel" an. 20,9 Millionen Tonnen Weizen Aufgeschlüsselt nach den einzelnen Kulturen rechnet der DBV beim Winterweizen mit einer Erntemenge von lediglich 20,9 Mio. Tonnen. Das wären 7% weniger als im Vorjahr. Der Hektarertrag soll im Jahresvergleich um 9% auf 72,1 dt/ha gesunken. Bei den Qualitäten zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Die Wintergerste dürfte laut DBV-Schätzung mit 9,5 Mio. Tonnen das Vorjahresniveau erreicht haben. Die um 4% auf 75,6 dt/ha gesunkenen Erträge wurden demnach durch eine größere Anbaufläche ausgeglichen. Da die Bestände vor der Hitze bereits weitgehend ausgereift waren, konnte die Wintergerste früh gedroschen werden. DBV bei Raps pessimistischer als DRV Deutlich pessimistischer als der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) blickt der DBV auf die Winterrapsernte. Während der DRV vergangene Woche noch von 3,7 Mio. Tonnen ausging, erwartet der DBV lediglich 3,3 Mio. Tonnen. Neben Hitze und Trockenheit hätten den Beständen ein hoher Schädlingsdruck sowie fehlende wirksame Mittel gegen Erdfloh und Kohlschotenmücke zugesetzt, der Hektarertrag ist verglichen zu 2025 laut DBV um ein Füftel gesunken. Bei Kartoffeln zeichnet sich dem DBV zufolge ein mittleres bis unterdurchschnittliches Ergebnis ab. Selbst auf beregneten Flächen seien kaum durchschnittliche Erträge zu erwarten. Bei Zuckerrüben stellt sich die Lage regional noch deutlich schlechter dar. AgE

