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16.06.2026

Betriebe düngen weniger

Die landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen haben im Wirtschaftsjahr 2024/25 zurückhaltender gedüngt als zuvor. Im Grund- und Oberflächenwasser zeigten die Bemühungen allerdings bislang kaum Wirkung. Das geht aus dem nunmehr 13. Nährstoffbericht für das Bundesland hervor, der von Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte am Montag (15.6.) gemeinsam mit Vertretern der Landwirtschaftskammer (LWK) in Hannover vorgestellt wurde. Demnach wurde erstmals seit dem Bericht 2015/16 die gesetzliche Obergrenze von 170 Kilogramm Stickstoff (N) je Hektar aus organischen Düngern rein rechnerisch in allen Land- und Stadtkreisen eingehalten. Auch der N-Saldo war auf Landesebene mit minus 38.232 Tonnen Stickstoff weiter klar unter dem zulässigen Wert. Gegenüber dem Vorjahresbericht, in dem minus 34.988 Tonnen festgestellt worden waren, hat sich das Defizit nochmals vergrößert. Fünf Kreise noch über dem Bedarf Eine rechnerische Überschreitung des Stickstoffbedarfs wiesen noch fünf Gebietskörperschaften aus: Cloppenburg, Grafschaft Bentheim, Peine, Vechta und die kreisfreie Stadt Salzgitter, die zusammen auf rund 1.689 Tonnen N kamen. Beim Phosphat wies der Saldo landesweit ein Defizit von 15.317 Tonnen beziehungsweise minus 6 Kilogramm je Hektar aus. Laut Bericht verblieb in fünf Landkreisen ein Überschuss von rund 2.947 Tonnen Phosphat. Bei rund 35% der Schläge war die Versorgung mit Phosphat hoch bis sehr hoch. Gewässer bleiben belastet Beim Gewässerzustand fiel die Bilanz ernüchternd aus. Nur etwa 30% der Grundwassermessstellen zeigten einen positiven Trend, bei mehr als der Hälfte war keine signifikante Veränderung der Nitratwerte erkennbar und bei rund einem Sechstel stiegen sie sogar. Einen guten ökologischen Zustand erreichten lediglich 3% der Oberflächenwasserkörper. Staudte kündigte an, die Ursachen für das Ausbleiben deutlicher Erfolge bei der Verringerung der Gewässerbelastung genauer untersuchen zu lassen. Offen sei, ob es sich um eine reine Zeitverzögerung handele oder ob andere Rahmenbedingungen nötig seien. Weniger Tiere, weniger Dünger Das Nährstoffaufkommen aus der Tierhaltung ging in Niedersachsen erneut zurück, weil die Tierbestände sanken. Der Dung- und Gärrestanfall aus Tierhaltung und Biogasanlagen belief sich dem Bericht zufolge auf 52,4 Mio. Tonnen und lag damit rund 0,3 Mio. Tonnen unter dem Vorjahr. Bei der Vorstellung des Nährstoffberichts hob der Leiter der Düngebehörde der LWK, Reno Furmanek, den angestiegenen Anteil von Wirtschaftsdünger in Biogasanlagen positiv hervor. Düngerimporte im Auge behalten Auch wenn Niedersachsen trotz allem noch Nettoexporteur sei, sei im Berichtszeitraum mehr Wirtschaftsdünger aus anderen Bundesländern sowie aus den Niederlanden importiert worden, sagte Furmanek. Aufmerksamkeit verlangt nach Einschätzung der Kammer die starke Zunahme der Einfuhren von niederländischem Wirtschaftsdünger, die sich auf gut 205.000 Tonnen mehr als verdoppelt haben. Das sieht auch Landwirtschaftsministerin Staudte so. Diese Entwicklung müsse genau beobachtet werden, damit die niedersächsischen Regionen, "die eh schon belastet sind, nicht noch stärker belastet" würden. Hoffen auf praxisgerechtes Düngerecht Kammerpräsident Gerhard Schwetje wertete die Ergebnisse als Beleg dafür, dass die Betriebe Beratung und politische Vorgaben beachteten. Seitdem der Vollzug der zusätzlichen Auflagen in den Roten Gebieten ausgesetzt sei, warteten die Betriebe auf rechtliche Fortschritte. "Bei der gesetzlichen Neuordnung hoffen wir auf eine Lösung, die sich praktisch sehr gut umsetzen lässt und die möglichst keine zusätzliche Büroarbeit mit sich bringt", sagte Schwetje. Ministerin Staudte bekräftigte in dem Zusammenhang ihre Forderung nach einer Bilanzierung auf Betriebsebene. "Rote Betriebe statt Rote Gebiete", brachte die Grünen-Politikerin ihre Position auf den Punkt. Landvolk warnt vor Unterversorgung Das Landvolk Niedersachsen sieht in dem Bericht seine Position bestätigt. Die Landwirte hätten erhebliche Fortschritte beim Nährstoffmanagement erreicht. Zugleich warnte Verbandspräsident Holger Hennies vor einer Unterversorgung der Pflanzen, die auf Dauer Ertrag, Qualität und über den Humusabbau die Bodenfruchtbarkeit gefährde. "Die Versorgung unserer Böden mit Nährstoffen nimmt in Teilen Niedersachsens langsam kritische Formen an." Die bis Januar 2025 geltende pauschale Bedarfsabsenkung um 20% in den Roten Gebieten habe den Feldern viel Stickstoff entzogen, aber der Pflanzenbedarf sei dort genauso hoch wie auf anderen Feldern, so Hennies weiter. Gleichzeitig seien die Wasserwerte trotz der Einschränkungen für die Bauern nur langsam gesunken. "Deshalb muss die Frage erlaubt sein, ob die pauschalen Maßnahmen tatsächlich den gewünschten Effekt haben", so der Verbandspräsident. Für ihn ist die Antwort indes klar: "Die Maßnahmen zahlen nicht auf das Ziel ein." AgE