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05.06.2026

Die Krise ist nicht ausgestanden

Die EU-Kommission rechnet auf absehbare Zeit nicht mit einer Entspannung am Düngemittelmarkt. Die Krise sei nicht ausgestanden, erklärte die Generaldirektorin der Generaldirektion Landwirtschaft (DG AGRI), Elisabeth Werner, bei einer Anhörung vor dem Landwirtschaftsausschuss (AGRI) des Europaparlaments am Dienstagabend (2.6.). Die Österreicherin warnte: Ein Mangel an Stickstoffdüngemitteln oder zu hohe Preise könnten die Bezahlbarkeit von Lebensmitteln beeinträchtigen. Möglicherweise werde sogar deren Verfügbarkeit leiden. Wiederholte Preisschocks seit 2022 Nach Angaben der Kommissionsvertreterin ist der Düngemittelmarkt der EU seit Russlands Angriff auf die Ukraine wiederholt von Schocks erschüttert worden. Seitdem hätten die Preise nie wieder das Vorkrisenniveau erreicht, und auch die Produktion habe sich noch nicht erholt. Parallel dazu sind die finanziellen Spielräume der Landwirte laut Werner geschrumpft; die Bezahlbarkeit sei so niedrig wie seit 2022 nicht mehr. Der Generaldirektorin zufolge liegen die Stickstoffdüngerpreise in der EU derzeit 70% über dem Durchschnitt des Jahres 2024. Bauern passen sich an Die derzeitige Lage beeinflusse bereits die Entscheidungen der Landwirte. Laut der Österreicherin reduzieren Landwirte bereits den Düngemitteleinsatz oder wechseln die Anbaukulturen. Manche Bauern würden sogar erwägen, die Anbauflächen für den kommenden Produktionszyklus zu verkleinern. Bedarf für 2026 weitgehend gedeckt Zwar sieht Werner den Düngemittelbedarf für die Ernte 2026 als weitgehend gedeckt an. Sorgenvoll blickt die Spitzenbeamtin allerdings auf die Herbstaussaat. Bis zum Sommer müssten die Landwirte entscheiden, was sie als Nächstes anbauten und welche Düngemittel sie sich leisten könnten. Dieser Sommer ist der Generaldirektorin zufolge entscheidend für das kommende Jahr. Daher habe man kürzlich den Düngemittelaktionsplan vorgelegt. Im Rahmen dieses Planes kündigt sie gezielte Anpassungen an der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) an. So werde ein "neues Liquiditätsprogramm" und mehr Flexibilität für die Mitgliedstaaten bei Vorauszahlungen an Landwirte anvisiert. Dazu gehöre eine vorzeitige Auszahlung der GAP-Gelder vor der eigentlich üblichen Frist am 15. Oktober. Das Paket werde auch unterstützende Maßnahmen für eine effizientere Düngemittelanwendung, Beratung zum Nährstoffmanagement und Maßnahmen zur Erleichterung der Gärrestnutzung umfassen. 200 Millionen Euro aus der Agrarreserve Darüber hinaus will die Kommission die verbleibenden Agrarreserven von laut Werner "etwas über 200 Mio. Euro mobilisieren". Ein entsprechender Vorschlag soll am 10. Juni vorgelegt werden. Geteilte Ansichten im AGRI Gemischt fiel die Reaktion auf den Düngemittelaktionsplan unter den Mitgliedern des Landwirtschaftsausschusses aus. Die Mehrheit forderte zwar mehr Hilfen für die Landwirtschaft. Die Einschätzungen zu Ursachen und Lösungen der Krise gingen dabei allerdings weit auseinander. Lieber präventiv als reaktiv Aus Sicht des französischen Sozialisten Eric Sargiacomo sind die von Werner in Aussicht gestellten 200 Mio. Euro der EU-Agrarreserve nicht ausreichend. Er beklagte zudem, dass die Europäische Union nach wie vor zu reaktiv statt präventiv handle. Zudem gebe es noch immer keine ausreichende strategische Lagerhaltung für Düngemittel. Dorfmann will mehr Gemischtbetriebe EVP-Agrarsprecher Herbert Dorfmann lenkte den Blick auf die Energiemärkte und die Düngemittelhersteller. Der größte europäische Stickstoffdüngerproduzent habe seine Preise binnen sechs Monaten um 46% angehoben, kritisierte der Südtiroler. Ein Vorgang, den die Politik untersuchen solle. Zudem plädierte Dorfmann für eine engere Verknüpfung von Ackerbau und Viehzucht. Damit könne man die Nährstoffrückgewinnung durch Gülle sichern. Für die EKR ein Schritt in die richtige Richtung Dorfmanns Landsmann Carlo Fidanza von den Europäischen Konservativen und Reformern (EKR) wertete den Aktionsplan als "Schritt in die richtige Richtung". Er forderte aber eine schnellere Auszahlung der Hilfen sowie die Herausnahme von Düngemitteln aus dem Kohlenstoffgrenzausgleichsmechanismus (CBAM) sowie aus dem Emissionshandelssystem (ETS). Derweil sprach sich der Abgeordnete Ciaran Mullooly von der Fraktion Renew Europe (RE) dafür aus, sämtliche CBAM-Einnahmen über einen speziellen Fördermechanismus an die Landwirte zurückzuleiten. Mehr Leguminosen wagen Der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA, Thomas Waitz, verteidigte hingegen den CBAM. Statt synthetischer Düngemittel empfahl er einen verstärkten Anbau von Leguminosen und gemischte Landwirtschaftssysteme, um die Abhängigkeit von mineralischem Stickstoffdünger zu verringern. AgE