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25.05.2026

500.000 Tonnen jährlich verloren

Die Warnung vor immer kleineren Getreideernten durch zu restriktive Düngeregeln in Deutschland hat Ludwig Striewe von der BAT Agrar GmbH & Co. KG bekräftigt. "Der Peak der Getreideproduktion in Deutschland war 2015 mit 52 Millionen Tonnen", erinnerte Striewe beim diesjährigen Getreidehandelstag. Wie der BAT-Geschäftsführer am Montag (18.5.) auf der Burg Warberg ausführte, habe Deutschland seitdem Jahr für Jahr rund 500.000 Tonnen an Produktions- und damit Exportpotenzial verloren, und zwar hauptsächlich aufgrund überzogener Vorgaben bei der Stickstoffdüngung. Besonders drastische Folgen hat der schrumpfende Exportüberschuss Striewe zufolge für den Hamburger Hafen als deutsche Drehscheibe für den internationalen Getreideumschlag. Das Handelsgeschäft in der Hansestadt gestalte sich dort mittlerweile höchst problematisch, weil der Hafen nicht mehr das Hinterland habe, um viel Getreide verschiffen zu können. "Mangels Produktionsintensität haben wir uns tatsächlich zum Teil aus den Weltmärkten verabschiedet", folgert der BAT-Geschäftsführer. Unter der alten Bundesregierung sei es definitiv so gewesen, dass viele Getreidebestände durch den limitierten Düngereinsatz nicht mehr ausgedüngt werden konnten, so Striewe weiter. Moderne Sorten hätten dadurch keinen Ertragsfortschritt mehr gezeigt. Gleichzeitig seien die Proteinwerte gesunken, was das Potenzial genommen habe, in Deutschland exportgängige Qualitäten zu produzieren. Replik aus dem BMLEH Abteilungsleiterin Christel Jagst aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH) verwies in ihrer Replik auf die unverändert strikten Vorgaben der EU-Kommissionn, was Nitratwerte im Grundwasser angehe. Aktuell werde in ihrem Haus intensiv geprüft, wie die Vorgaben aus Brüssel ohne die Ausweisung Roter Gebiete eingehalten werden könnten, berichtete Jagst, die im BMLEH die Abteilung 7 Agrarpolitik, Märkte, Fischerei leitet. Gleichzeitig soll laut der Ministerialbeamtin mit der geplanten Novelle des Düngegesetzes mehr Verursachergerechtigkeit Einzug in die deutsche Düngepolitik halten, ohne dadurch ein neues "Bürokratiemonster" wie die von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer abgeschaffte Stoffstrombilanzverordnung zu schaffen. Vor dem Hintergrund eines aus Brüssel drohenden neuen Vertragsverletzungsverfahrens verwies Jagst auf dem Getreidehandelstag auf die engen zeitlichen Spielräume, was die Änderung des hiesigen Düngerechts angeht. "Aktuell liegen unterschiedliche Vorschläge auf dem Tisch, die wir mit Hochdruck prüfen". Die Agrarministerkonferenz der Länder (AMK) habe den Bund bei ihrer Frühjahrskonferenz in Bad Reichenhall aufgefordert, im Herbst zu berichten: "Das werden wir machen". DBV bringt sich mit eigenen Vorschlägen ein Heinz Möddel vom Deutschen Bauernverband (DBV) wies bei der Podiumsdiskussion mit Striewe und Jagst darauf hin, dass die Düngung bislang auf Basis von Indikatoren reglementiert wird, die "weit in der Vergangenheit" lägen. "Beim Nitratüberschuss je Hektar haben wir in Deutschland je Hektar schon letztes Jahr das Ziel übererfüllt, was wir eigentlich erst 2030 erreichen wollten", so Möddel, der beim DBV als Referatsleiter für die Themen Betriebswirtschaft, Agrarhaushalt, Investitionsförderung, Agrarforschung und den Situationsbericht zuständig ist. Die hiesigen Landwirte hätten in einer viel zu hohen Geschwindigkeit das Langfristziel erreicht - auf Kosten von Erntemengen und Proteingehalten. Damit Kulturen mit hohem Nährstoffbedarf wie Kartoffeln oder Brotgetreide künftig wieder bedarfsgerecht gedüngt werden können, muss nach Überzeugung von Möddel jetzt "klug gegengesteuert" werden. Ihm zufolge bringt sich der DBV mit eigenen Vorschlägen in die aktuell laufende Diskussion um ein möglichst praxistaugliches und bürokratiearmes Monitoring ein. Ein Ansatzpunkt ist für Möddel die einzelbetriebliche Anbau- und Düngeberatung. Eine Düngeplanung sei heute in den meisten Betrieben ohnehin Standard, sodass man beim Monitoring auf diese aufbauen könnte, ohne zusätzliche Bürokratie zu schaffen, und ohne ein zusätzliches, systemfremdes Messsystem etablieren zu müssen. Vertragsverletzungsverfahren "ein Stück weit entfernt" Was das Düngerecht angeht, nimmt Möddel im Bundeslandwirtschaftsministerium nach den Gesprächen in der EU-Kommission aktuell wieder mehr "Souveränität in der Politikgestaltung" wahr, um wieder eine bedarfsgerechte Düngung möglich zu machen. Von einem neuen Vertragsverletzungsverfahren sieht er Deutschland aktuell "ein ganzes Stück weit entfernt", auch wenn einige NGO ein solches Szenario aktuell "campainingmäßig" wieder in den Mittelpunkt rückten. AgE