EU-Abgeordnete schlagen Alarm
Die Europäische Union könnte schon bald weitere Kapazitäten zur Produktion von Futtermittelzusatzstoffen verlieren und damit tiefer in die Abhängigkeit von Drittstaaten rutschen. Davor warnen die französischen Abgeordneten der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten (S&D) im Europaparlament. Wie die Politiker in einem Brief an den für die Industriestrategie zuständigen Vizepräsidenten der EU-Kommission, Stéphane Séjourné, darlegen, steht der Hersteller Eurolysine nach wie vor unter großem Druck durch chinesische Lieferungen der essenziellen Aminosäure Lysin. Konkret ist in dem Schreiben von "aggressivem Dumping" die Rede. Die bereits im Juli 2025 verhängten entsprechenden Antidumpingzölle der EU sind nach Angaben der Europaabgeordneten vollkommen wirkungslos geblieben, weil die chinesischen Anbieter ihre Preise zum Ausgleich um etwa 30% abgesenkt haben. Die daraufhin von der EU-Kommission eingeleitete Untersuchung begrüßen die Politiker. Aus ihrer Sicht ist allerdings bereits klar, dass Eurolysine nur gerettet werden kann, wenn die Zölle auf Lysinimporte auf 80% angehoben werden. Unterstrichen wird in dem Brief zudem der Zeitdruck. Da Eurolysine Geld verliere, dürften die Gegenmaßnahmen nicht zu lange auf sich warten lassen, betonen die Abgeordneten. Neben 350 Arbeitsplätzen stehe auch die wirtschaftliche Souveränität der EU auf dem Spiel. Gesetzgebung anpassen Vor dem Hintergrund einer drohenden Pleite von Eurolysine nehmen die französischen Sozialdemokraten auch die EU-Kommission in die Pflicht. Ins Spiel bringen sie kurzfristige finanzielle Unterstützungsmaßnahmen für das Unternehmen. Angeregt wird außerdem, die Gesetzgebung zu Antidumpingzöllen so zu ändern, dass auf Preissenkungen zur Absorption der Mehrkosten vonseiten der ausländischen Hersteller automatisch reagiert wird und nicht mehr länger eine erneute Untersuchung stattfinden muss. Ihre Antidumping-Untersuchung zu Lysin hatte die EU-Kommission im Mai 2024 eröffnet. Eingereicht hatte den Antrag der Hersteller Metex Noovistago, dessen Mutterkonzern kurze Zeit später in die Insolvenz gegangen ist. Der Standort in Amiens, wo neben Lysin auch weitere Aminosäuren hergestellt werden, wurde unter der Firmierung Eurolysine von der Unternehmensgruppe Avril übernommen und weitergeführt. Endgültig eingeführt wurden die Antidumpingzölle auf chinesisches Lysin schließlich im Juli 2025. Bereits im Februar des laufenden Jahres hatte Eurolysine darauf aufmerksam gemacht, dass die Gegenmaßnahmen der EU ihren Effekt verfehlten. AgE

