"Kein Mangel an Ideen"
Die EU-Kommission ist mit Blick auf den für Mai erwarteten Düngemittelaktionsplan erstmals konkreter geworden. Einen ersten Eindruck, wo es inhaltlich hingehen könnte, gab die kommissarische Direktorin in der Generaldirektion für Landwirtschaft (DG AGRI), Brigitte Misonne, am Donnerstag (9.4.) bei einer Anhörung im Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments. Einen Mangel an Ideen gebe es jedenfalls nicht, so die Kommissionsbeamtin.
Die Strategie soll Misonne zufolge aus vier wesentlichen Elementen bestehen. Ein wesentliches Ziel: Die Importabhängigkeit soll reduziert werden. Darüber hinaus soll die heimische Stickstoffproduktion angekurbelt werden. Gleichzeitig sollen Fortschritte bei der Dekarbonisierung der Düngemittelerzeugung erreicht werden und Wege für einen effizienteren Einsatz aufgezeigt werden. Zu guter Letzt soll laut Misonne der Fokus auf biobasierte Düngemittel geweitet werden. Als Beispiel nennt die Beamtin eine bessere Aufbereitung etwa von Gülle. Die von manchen Abgeordneten geforderte Anhebung der Obergrenze für die Ausbringung von organischem Stickstoff sieht Misonne derweil kritisch.
Hochrangiges Treffen am Montag
In Bezug auf den genauen Zeitpunkt für die Vorstellung des Aktionsplans blieb die Beamtin noch vage. Sie hofft auf Anfang Mai. Zuvor wolle man - wie von Agrarkommissar Christophe Hansen bereits angekündigt worden war - am Montag (13.4.) mit Vertretern der Landwirtschaft, der Düngemittelindustrie und der Wissenschaft über die richtigen Maßnahmen beraten.
Mit Blick auf die diesjährige Ernte ist laut Misonne trotz der unklaren Lage in der Straße von Hormus nicht mit eklatanten Versorgungsengpässen zu rechnen. Die Kommission konzentriere sich daher auf die sichere Versorgung für die Ernte im Jahr 2027. Aktuell bestehe eher das Risiko, dass es bei der Logistik von Nahrungsmitteln sowie beim Transport zu Schwierigkeiten komme. Knappheiten drohten zudem bei Verpackungen, Kohlenstoffdioxid sowie bei Vitaminen.
Biobauern kommen ohne synthetische Düngemittel aus
Die Vorstandsvorsitzende vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Tina Andres, hat unterdessen auf die Verwundbarkeit der Landwirtschaft hingewiesen. "Der Krieg in Nahost zeigt einmal mehr, wie ohnmächtig wir sind, wenn sich fossile Quellen verschließen und globale Handelswege versperrt werden: Sogar unser täglich Brot gerät dann in Gefahr." Aus Sicht von Andres ist deshalb der Ökolandbau "zu Recht ein Leitbild der EU: Weil Bio-Bauern und -Bäuerinnen ohne synthetische Düngemittel auskommen."
Unter anderem fordert Andres, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) auf resilientere Produktionsverfahren wie den Ökolandbau auszurichten. Ferner drängt die BÖLW-Vorstandsvorsitzende auf einen Fahrplan für den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Betriebsmittel wie chemisch-synthetischen Stickstoffdünger und von Pflanzenschutzmitteln. Zudem sollte laut Andres verstärkt auf biologische Prozesse gesetzt werden, etwa die natürliche Stickstofffixierung durch den vermehrten Anbau von Hülsenfrüchten. AgE

