Brüssel belässt es beim Beobachten
Die EU-Kommission sieht weiterhin keinen zwingenden Anlass, Maßnahmen für eine Intervention auf dem europäischen Milchmarkt auf den Weg zu bringen. Das hat Agrarkommissar Christophe Hansen am Montag (30.3.) beim Agrarrat in Brüssel zu verstehen gegeben. Zwar räumte der Luxemburger ein, dass die Erzeugerpreise für Milch nach dem 2025 erreichten Rekordstand derzeit nach unten korrigiert würden. Zugleich gebe es aber Anzeichen für eine allmähliche Verbesserung der Marktlage. Hansen verwies in diesem Zusammenhang auf die Preise für Magermilchpulver, die zuletzt um mehr als 20% angestiegen seien und das Vorjahresniveau überschritten hätten. Auch die Nachfrage auf dem Binnenmarkt und beim Export entwickelt sich laut dem Agrarkommissar gut. Er versicherte, dass die EU-Kommission den Milchmarkt weiterhin sehr aufmerksam beobachten und im Bedarfsfall eingreifen werde. Bereits beim Agrarrat im Januar hatten Italien und Ungarn die EU-Kommission aufgefordert, zugunsten der Erzeuger in den Milchmarkt einzugreifen. Beim jüngsten Treffen der Minister ging die Initiative von Belgien und der Slowakei aus; zusätzliche Unterstützung erhielten die beiden Mitgliedstaaten unter anderem von Litauen und Slowenien. Auch Polen und Spanien sprachen sich für Marktinterventionen aus, wobei Warschau dabei auch Kartoffeln und Getreide im Auge hat. Neben einem freiwilligen Lieferverzicht halten die Unterstützer eines Eingriffs auch Beihilfen für die Private Lagerhaltung (PLH) für sinnvoll; nach den Vorstellungen Italiens sollte so beispielsweise Käse vom Markt genommen werden. Aus Sicht der deutschen Delegation sind Marktinterventionen oder andere außerordentlichen Maßnahmen derzeit nicht gerechtfertigt. Nach einer langen Phase niedriger Anlieferungsmengen und hoher Preise normalisiere sich in Deutschland der Milchmarkt, hieß es. Das Geschehen sollte jedoch weiter intensiv beobachtet werden, da Auszahlungspreise deutlich unterhalb von 40 Cent/kg nicht für alle deutschen Milchlieferbetriebe wirtschaftlich seien. Sollte die Kommission angemessene Vorschläge zu Maßnahmen im Milchsektor vorlegen, will Deutschland diese "konstruktiv prüfen". AgE

