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17.03.2026

THG-Emissionen nahezu unverändert

Die Landwirtschaft hat 2025 die gesetzlich verankerte Höchstmenge an Treibhausgas-(THG)-Emissionen nicht überschritten und wird dies voraussichtlich auch bis 2030 nicht tun. Das zeigen die vorläufigen Emissions- und Projektionsdaten des Umweltbundesamtes (UBA), die Bundesumweltminister Carsten Schneider und UBA-Präsident Dirk Messner auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Samstag (14.3.) vorgestellt haben. Demnach erreichten die Emissionen aus der Branche im vergangenen Jahr 60,8 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente und unterschritt die im Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) festgeschriebene Höchstgrenze um 7,9%. Allerdings sind die THG-Emissionen gegenüber dem Vorjahr annähernd gleichgeblieben. Dem Emissionsbericht zufolge haben eine Zunahme von synthetischer Düngung und das Ende des bisherigen langjährigen Rückgangs bei den Schweine- und Rinderbeständen zwar zu höheren Emissionen geführt. Allerdings habe die trockene Witterung für geringere Lachgasemissionen aus den Böden gesorgt, wodurch sich die Effekte unter dem Schnitt weitgehend ausgeglichen hätten. Für die Zukunft schätzt das UBA, dass der Sektor Landwirtschaft die im KSG vorgesehenen kumulierten Jahresemissionsmengen für den Zeitraum von 2021 bis 2030 um 16,4 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente unterschreiten wird. Laut den neusten Projektionsdaten für 2026 zeigt sich aber, "dass die bestehenden Instrumente nach 2030 nur geringfügig emissionsmindernd wirken". Im Vergleich zu den Projektionsdaten von 2025 werden nun bis 2030 durchgehend leicht erhöhte Emissionen projiziert, welche ab 2035 im Vergleich deutlich ansteigen sollen.
Insgesamt ist der Rückgang nur marginal
"Wir haben in Deutschland unsere Emissionen seit 1990 - seit der Wiedervereinigung - um 48% reduziert", betonte der Berliner Umweltressortchef mit Blick auf die Bemühungen der letzten Jahrzehnte. Für Schneider ein Erfolg. 2025 hat Deutschland insgesamt rund 649 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente emittiert; die zulässige jährliche Gesamtmenge nach dem KSG beträgt laut UBA 661,6 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente. Im vergangenen Jahr sank der Ausstoß der Behörde zufolge aber im Vergleich zu 2024 nur um knapp 1 Mio. Tonnen oder 0,1%. Die Botschaft von Ministerium und Behörde ist, dass die Klimaziele für 2030 erreichbar bleiben, wenn notwendige Maßnahmen umgesetzt werden. Im sektoralen Vergleich waren 2025 nach wie vor der Verkehrs- und der Gebäudesektor die Sorgenkinder. Beide stießen mehr aus, als sie durften und haben ihr Emissionsvolumen im Vorjahresvergleich nochmals erhöht.
Der Wald ist wieder eine Nettosenke
Auch der Sektor "Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft" (LULUCF) ist noch immer eine bedeutende Quelle von Treibhausgasen. Das betont das Thünen-Institut, welches die Daten für die nationale Treibhausgas-Berichterstattung für diesen Sektor geliefert hat. Emittiert wurden 2025 insgesamt 26,9 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente. Zwar waren das mehr als 30 Mio. Tonnen weniger als im Vorjahr, dennoch sollte der Sektor laut KSG bis 2030 mindestens 25 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr binden, was aktuell ungefähr dem Wert entspricht, den er emittiert. Und die Modellierung der künftig zu erwartenden Emissionen zeigt, dass sich daran bis 2030 nichts ändern wird. Ein Hoffnungsschimmer zeigte sich beim Wald, der im vergangenen Jahr 19,3 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente mehr aufnehmen konnte, als er ausgestoßen hat und damit wieder eine sogenannte Nettosenke darstellt. Die Klimaschutzwirkung des Waldes fällt laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) jedoch weitaus größer aus, als die vorgelegten Zahlen suggerieren. Durch die Holznutzung werde in anderen Wirtschaftsbereichen ein Ausstoß von CO2 vermieden, was dem Wald aber nicht angerechnet werde. So werde die Holzenergienutzung in der Klimabilanz nicht dem Wald, sondern dem Energiesektor gutgeschrieben, moniert der Verband. "Eine angemessene Beurteilung der Klimaschutzleistung des Waldes sollte daher auch die Nutzung von Holz zum Ersatz klimaschädlicher Materialien und Energieträger berücksichtigen", fordert AGDW-Präsident Prof. Andreas Bitter.
Negativemissionen durch Bioenergie
Laut Umweltbundesamt könnten im LULUCF-Sektor auch technische negative Emissionen eine Rolle spielen, um die vorgesehenen Senkenziele für 2030, 2040 und 2045 einzuhalten. Denn neben der Vermeidung von Emissionen müssten zur Erreichung der Klimaneutralität auch Wege gefunden werden, wie Treibhausgase der Atmosphäre entzogen werden könnten. Am selben Tag wie die UBA-Daten ist auch eine neue Analyse zur Wirtschaftlichkeit der CO2-Abscheidung aus Biomasse erschienen, die im Auftrag des Hauptstadtbüros Bioenergie (HBB) und des Bundesverbands der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) erstellt wurde. Darin kommt das Ingenieurbüro Seeger Engineering zu dem Schluss, dass die geringsten Kosten bei den Anlagen mit flüssiger Biomasse (Bioethanol) mit rund 60 Euro pro Tonne CO2 entstehen. Denn das Kohlendioxid falle hier bereits in hoher Konzentration an und müsse nicht verflüssigt werden. Laut HBB besitzen daher Bioenergieanlagen in Deutschland ein erhebliches Potenzial für Negativemissionen.
Klimapolitik sorgt für Kritik
Es ist auch kein Zufall, dass das UBA die Daten gerade jetzt veröffentlicht hat. Das Klimaschutzgesetz schreibt vor, dass die Behörde jedes Jahr bis spätestens 15. März die Emissionsdaten des Vorjahres sowie die Projektionsdaten liefern muss. Die vollständigen Inventardaten zu den deutschen Emissionen für 2025 veröffentlicht die Behörde eigenen Angaben zufolge aber erst im Januar 2027, wenn sie diese an die Europäische Kommission übermittelt. Die Daten kommen in einer Zeit, in der die Republik gespannt auf das in der Klimapolitik federführende Bundesumweltministerium blickt. Denn bis zum 25. März soll das neue Klimaschutzprogramm vorliegen, dessen Entwurf schon Anfang Februar zirkulierte und für viel Unmut sorgte. Denn mit dem aktuellen Klimakurs der Bundesregierung sind viele Akteure unzufrieden. "Die Klimapolitik 2026 ist ein trojanisches Pferd voll fossiler Überraschungen", findet die Geschäftsführerin Politik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Verena Graichen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat bereits eine Klage angekündigt, sollte das Klimaschutzprogramm die im Projektionsbericht ausgewiesene Klimaschutzlücken nicht schließen. AgE