Teure Energie trifft die Molkereien
Die im Milchindustrie-Verband (MIV) organisierten Molkereien werden die zuletzt stark gestiegenen Energiekosten in Form von Produktpreiserhöhungen weiterreichen müssen. Das hat der MIV-Vorsitzende Detlef Latka am Freitag (13.3) am Rande des Berliner Milchforums angekündigt. Die aktuellen Entwicklungen im Iran bedeuteten neben dem Krieg in der Ukraine einen zweiten globalen Störfaktor für den internationalen Handel und die Preisentwicklung für Energieträger, argumentierte er. Die sprunghaft gestiegenen Preise für Energie träfen Verbraucher und Wirtschaftsunternehmen in Europa direkt.
Für die Herstellung und Haltbarmachung von Milchprodukten gehöre über die gesamte Wertschöpfungskette ein Wechsel von Erhitzen und Kühlen, erläuterte der MIV-Vorsitzende. Dafür würden große Mengen Energie benötigt. Stark volatile und steigende Preise träfen die Molkereien damit direkt in ihrer Kostenstruktur. "Höhere Energiekosten werden sich auch in steigenden Produktpreisen wiederfinden, je nach Produkt auch unabhängig von der Dauer der laufenden Kontrakte", so Latka.
Wie der MIV mit Blick auf das Nahostgeschäft seiner Mitgliedsunternehmen mitteilte, variiert die aus Deutschland in die arabischen Staaten exportierte Menge an Milchprodukten je nach Sortiment stark. Daher sei keine pauschale Wertung zu den Auswirkungen auf die nationalen Märkte möglich. Dennoch führten die Behinderungen in den internationalen Warenströmen zu exorbitant gestiegenen Frachtraten für Seetransporte, nicht nur zu Zielländern in der Region.
"Wir vertrauen auf den Markt"
Latka nutzte den Pressetermin auch für einen Blick auf den Milchmarkt in Deutschland. Demnach liegt die monatliche Liefermenge seit Herbst 2025 um jeweils rund 6% über dem Vorjahresniveau. Gemessen am Gesamtjahr 2024 seien 1,6% mehr Milch ermolken worden. Auch die produzierte Milchmenge in den EU-Nachbarländern und global war Latka zufolge zuletzt weiter hoch. Gleichzeitig weise die Milch in Deutschland hohe Fett- und Eiweißgehalte auf, sodass die Auslastung der Molkereien auf einem für diese Jahreszeit hohen Niveau liege.
Wie der MIV-Vorsitzende weiter berichtete, wurde 2025 mit rund 52 Cent netto je Kilogramm Standardmilch der zweithöchste Milcherzeugerpreis aller Zeiten in Deutschland erzielt. Dies habe bei gleichzeitig günstigen Rahmenbedingungen sehr gute Erträge auf den Erzeugerbetrieben ermöglicht, obwohl Richtung Jahresende bereits eine teils deutliche Korrektur der Milchpreise bis unter 40 Cent/kg eingesetzt habe.
Das zuletzt niedrigere Preisniveau hat den Konsum von Milch und Milchprodukten nach Beobachtung von Latka stimuliert und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Handel erhöht. Die Preisentwicklung bei Eckprodukten wie Magermilchpulver und Butter deute eine Erholung an und schüre positive Erwartungen für die kommenden Monate. "Wir vertrauen auf den Markt", stellte der MIV-Chef vor diesem Hintergrund klar. Nach seiner Überzeugung greift das Gesetz von Angebot und Nachfrage am Milchmarkt. Daher sei es nicht zielführend, seitens der EU durch die Anwendung einer Entschädigung für Lieferverzicht nach Art. 219 der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) in diesen Markt einzugreifen. AgE

