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10.03.2026

LBV für gestärktes Agrarressort

Nach der Landtagswahl im Südwesten hat sich der Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) dafür ausgesprochen, das Landwirtschaftsministerium zu stärken. Die Branche brauche weiterhin eine klar verortete Stimme innerhalb der Landesregierung, erklärte der LBV am Montag (9.3.) gegenüber AGRA Europe. Sein Ziel ist weiterhin ein offener und verbindlicher Austausch mit der neuen Landesregierung auf Augenhöhe, "damit die Landwirtschaft ihrer bedeutenden Rolle der Ernährungssicherung, der Landschaftspflege und im Natur- und Umweltschutz nachkommen kann". Dahinter steht möglicherweise die Erwartung, dass im künftigen Landeskabinett ein gemeinsames Landwirtschafts- und Umweltministerium unter Leitung der CDU eingerichtet wird. Zugleich mahnt der LBV eine zügige Regierungsbildung an. Zu den drängendsten Themen zählt Hauptgeschäftsführer Marco Eberle einen spürbaren Abbau bürokratischer Belastungen, Planungs- und Investitionssicherheit etwa beim Stallbau, in der Tierhaltung oder im Bereich der erneuerbaren Energien sowie Rahmenbedingungen, die die Wettbewerbsfähigkeit der baden-württembergischen Landwirtschaft sichern. Grundsätzlich müsse die Agrar- und Umweltpolitik wieder mehr auf Vertrauen in die Landwirte und ihre fachliche Expertise setzen, anstatt auf Kontrollen. Im Hinblick auf den knappen Sieg der Grünen mit ihrem Spitzenkandidaten Cem Özdemir verweist der LBV auf den durchaus konstruktiven Dialog, aber auch auf kontroverse Diskussionen aus dessen Zeit als Bundeslandwirtschaftsminister. Entscheidend ist laut Eberle nun, welche agrarpolitischen Signale die neue Landesregierung sendet. "Die Landwirtschaft erwartet konkrete Verbesserungen", sagte Eberle. Schnelle Regierungsbildung wichtig Der Präsident vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV), Bernhard Bolkart, sprach sich gegenüber AGRA Europe ebenfalls für eine schnelle Regierungsbildung aus. Nach seinen Worten liefert das Wahlergebnis klare Verhältnisse und eine gute Grundlage für stabile Mehrheiten, um die anstehenden Aufgaben konstruktiv anzugehen. "Wir hoffen, dass das Landwirtschaftsressort mit einem erfahrenen Minister besetzt wird. Konkret wünschen wir uns, dass Peter Hauk wieder dieses Amt übernimmt", so Bolkart. Gerade bei den aktuellen Herausforderungen wie der Ausgestaltung der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) brauche es jemanden, der gut vernetzt sei und die Zusammenhänge erkenne. Zum zentralen Thema der bevorstehenden Legislaturperiode zählt der BLHV-Präsident vor allem die Umsetzung der GAP auf Landesebene ab 2028. Darüber hinaus braucht es aus seiner Sicht eine verlässliche Perspektive für tierhaltende Betriebe sowie für den Weinbau, um nur einige der wichtigen Aufgaben zu nennen. "Entscheidend wird auch sein, dass das Landwirtschaftsressort strukturell so aufgestellt wird, dass eine enge Koordination zwischen Agrar-, Natur- und Artenschutzpolitik möglich ist", unterstreicht Bolkart. Eine klare Absage erteilte er Grabenkämpfen. Diese dürfe es nicht geben, betonte der BLHV-Präsident. Landwirtschaft und Naturschutz würden auf den Höfen selbstverständlich zusammengedacht. Dieses ganzheitliche Denken sollte auch für die politische Arbeit der Maßstab sein. Aufbruchstimmung notwendig Für eine stabile und handlungsfähige Regierung sowie zügige Koalitionsverhandlungen sprach sich unmittelbar nach der Landtagswahl auch der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) aus. "Angesichts globaler Krisen, fragiler Handelsbeziehungen und einer von chronischer Stagnation geprägten Wirtschaft hat unser Land keine Zeit zu verlieren. Stillstand können wir uns nicht leisten, es braucht Aufbruchsstimmung", sagte BWGV-Präsident Dr. Ulrich Theileis. Von der neuen Landesregierung erwartet er klare Signale für wirtschaftliche Stärke, für unternehmerische Freiheit und für das kooperative genossenschaftliche Wirtschaftsmodell als tragende Säule im Land. Der Präsident vom baden-württembergischen Landesverband des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Johannes Enssle, appellierte an die künftige Landesregierung, die Signale aus aktuellen Umfragen ernst zu nehmen. Enssle bezieht sich auf Erhebungen, in denen sich eine Mehrheit dafür ausgesprochen hatte, Wirtschaft sowie Klima- und Umweltschutz zusammen zu denken. Vor diesem Hintergrund forderte der Verbandspräsident, den Naturschutz finanziell und inhaltlich zu stärken. Die Ziele des Biodiversitätsstärkungsgesetzes müssten weiterhin konsequent umgesetzt werden. Hauk erzielt wieder Direktmandat Der bisherige Landwirtschaftsminister Hauk gewann bei der Landtagswahl erneut sein Direktmandat. Der 65-Jährige erzielte im Wahlkreis Neckar-Odenwald 39,5% der Erststimmen. Er gehört dem Landtag seit mehr als 30 Jahren an und kann auf 15 Jahre als Agrarminister zurückblicken. Vor der Wahl hatte der CDU-Politiker sein Interesse an einer Fortsetzung der Ministertätigkeit signalisiert. Grünen-Spitzenkandidat Özdemir erreichte in seinem Wahlkreis Stuttgart II 47,9% der Erststimmen. CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel kam auf 47,1% der Erststimmen in seinem Wahlkreis Ehingen. Von den bisherigen agrarpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen schafft es der Grünen-Politiker Martin Hahn wieder über die Landesliste in den Landtag. Das Direktmandat wiederum holte im Wahlkreis Bodensee der CDU-Politiker Alexander Bruns. Der bisherige agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Klaus Burger, war nicht noch einmal zur Wahl angetreten. Bereits im Herbst 2025 hatte die CDU im Landkreis Sigmaringen Ilona Boos zur Nachfolgerin für die Landtagswahl aufgestellt. Sie verteidigte das Direktmandat mit 43,1% der Stimmen. Auf jeden Fall eine Veränderung wird es im Amt des agrarpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion geben. Der bisherige Amtsinhaber Jan-Peter Röderer verpasste aufgrund des schlechten Abschneidens der Sozialdemokraten den Einzug über die Landesliste. Stattdessen holte im Wahlkreis Sinsheim der CDU-Kandidat Albrecht Schütte das Direktmandat. Der agrarpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Dennis Klecker, erzielte im Wahlkreis Eppingen mit 25,6% der Stimmen das zweitbeste Ergebnis der Erststimmen. Das Direktmandat ging mit 35,3% der Stimmen an CDU-Kandidat Michael Preusch. 2021 hatten noch die Grünen das Direktmandat in diesem Wahlkreis geholt. CDU und Grüne gleichauf bei den Mandaten Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erzielten bei der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg die Grünen 30,2% der Stimmen. Die CDU erreicht 29,7%. Beide Parteien erhalten jeweils 56 Sitze im Landtag. Drittstärkste Kraft wurde die AfD mit 18,8%; sie ist nun mit 35 Abgeordneten vertreten. Die SPD fuhr mit 5,5% ein historisch schlechtes Ergebnis ein und verfügt nur noch über zehn Sitze. FDP und Die Linke verpassten mit 4,4% beziehungsweise 4,1% Einzug in den Landtag. AgE