Einbußen für Ukraine zu erwarten
Die neuen Vereinbarungen zum Agrarhandel mit der EU dürften die Exporteinnahmen der Ukraine in den nächsten Jahren deutlich schmälern. Davon geht die Kyiv School of Economics (KSE) aus. Wissenschaftler der KSE haben ausgerechnet, dass sich der Wert der Lieferungen von sieben Produktkategorien, die dem neuen Handelsregime unterliegen, im Vergleich zum Ausgangspunkt 2024 unter autonomen Handelsmaßnahmen voraussichtlich von 2,59 Mrd. $ (2,23 Mrd. Euro) auf 1,16 Mrd. $ (1,00 Mrd. Euro) pro Jahr verringern wird; das wäre ein Minus von rund 1,43 Mrd. $ (1,23 Mrd. Euro) oder 55 %.
Der stärkste Rückgang ergibt sich aus den Berechnungen beim Weizen, auf den das Gros der ukrainischen Agrarausfuhren in die EU entfällt; hier werden die Exporteinnahmen der Studie zufolge wahrscheinlich um 1,15 Mrd. $ (1,0 Mrd. Euro) oder 80% zurückgehen. Die Menge der Weizenlieferungen dürfte von 6,34 Mio. Tonnen auf 1,3 Mio. Tonnen sinken.
Für Zucker erwartet die KSE Einbußen von etwa 159 Mio. $ (137 Mio. Euro) beziehungsweise 69%. Bekanntlich wurden die ukrainischen Zuckerlieferungen auf jährlich 100.000 Tonnen gedeckelt, wohingegen es 2024 noch 325.000 Tonnen waren. Die Reduzierung der Importe wird bei Geflügelfleisch und Innereien ein Minus von rund 46 Mio. $ (40 Mio. Euro) zur Folge haben. Bei Gerste werden geschätzte 38 Mio. $ (33 Mio. Euro) in den ukrainischen Kassen fehlen.
Die Experten der Kyiv School of Economics räumen ein, dass die neuen Handelsregelungen mit der Ukraine für die europäischen Landwirte ökonomisch gesehen vorteilhaft sind. Allerdings sei davon auszugehen, dass die Nachteile für die Verbraucher und die Lebensmittelverarbeiter in der Gemeinschaft diese Vorteile überwiegen werden. Unter dem Strich dürften die neuen Zollquoten der EU-Wirtschaft jährlich etwa 80 Mio. $ (69 Mio. Euro) an "Sozialleistungsverlusten" kosten. Auf die gesamte EU gesehen sei das aber marginal. AgE

