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05.01.2026

Preisentwicklung unbefriedigend

Beim Deutschen Bauernverband (DBV) blickt man mit Sorge auf die aktuelle Marktlage, die bei vielen Agrarprodukten von niedrigen Erzeugerpreisen geprägt ist. Wie der Verband zum Jahreswechsel mitteilte, wurden beispielsweise für eine Tonne Weizen zuletzt lediglich um die 180 Euro gezahlt. Bauernpräsident Joachim Rukwied zufolge fahren die Landwirte daher mit jeder verkauften Tonne Weizen einen Verlust ein.
Auch die Notierungen bei anderen Ackerfrüchten wie Mais und Raps sind demnach unter Druck. Ebenso negativ sei die jüngste Preisentwicklung bei Schlachtschweinen. Bei Erzeugerpreisen von 1,60 Euro pro Kilogramm Schweinefleisch ist Rukwied zufolge schon jetzt abzusehen, dass etliche Betriebe im laufenden Wirtschaftsjahr rote Zahlen schreiben. Noch schwieriger sei die Lage im Weinbau, der in der größten Krise seit Jahrzehnten stecke. Aufgrund der schlechten Marktlage geht man beim DBV davon aus, dass die Rebfläche in erheblichem Umfang verkleinert wird. Große Sorge bereitet Rukwied angesichts des harten Preiskampfs bei der Butter auch die Entwicklung der Milchpreise.
Getreidemarkt
Die europäischen Getreidemärkte durchlaufen dem Bauernverband zufolge aktuell eine sehr schwierige Phase. Im November 2025 mussten deutsche Erzeuger bei Brotweizen mit durchschnittlich 169 Euro je Tonne einen weiteren Preisrückgang im Vergleich zum Vorjahr (201 Euro/t) verkraften. Bei Futtergerste kam es zu einer ähnlichen Entwicklung. Hier erhielten die Landwirte 2025 im Schnitt 162 Euro je Tonne, während es im Jahr 2024 immerhin noch 177 Euro je Tonne waren.
Eine Besserung ist dem DBV zufolge nicht in Sicht, denn für 2025/26 geht der Internationale Getreiderat (IGC) aktuell von einem Rekordniveau in der Produktion aus; weltweit wird mit einer Ernte von 808 Millionen Tonnen Weizen gerechnet. In der EU wurden 2025 134 Millionen Tonnen Weizen geerntet. Die deutsche Weizenernte liegt 2025 bei 22,5 Millionen Tonnen, was einen Anstieg von 9,6% gegenüber dem Vorjahr darstellt.
Der Bauernverband erwartet weiterhin sehr volatile Märkte. Als Risikofaktoren sieht er Extremwetterereignisse, stark schwankende Markt- und Betriebsmittelpreise und geopolitische Spannungen, insbesondere in der Schwarzmeerregion. So kam es 2025 bei den Betriebsmitteln erneut zu Kostensteigerungen und auch für 2026 befürchtet der Verband weitere Anstiege.
Schweinemarkt
Im Jahr 2025 zeigten sich die Bestände und die Schlachtzahlen weitgehend stabil, allerdings bei rückläufigem Preisniveau. Die Bestände gingen wieder leicht zurück und der Strukturwandel setzte sich weiter fort: weniger Halter, dafür größere Bestände je Betrieb. Die Inlandsnachfrage stabilisierte sich auf niedrigem Niveau mit einem Pro-Kopf-Verzehr von rund 27,9 kg. Dem DBV zufolge war die Schweinemast 2025 erneut nur knapp kostendeckend. Infolgedessen sei die Investitionsbereitschaft in der Branche gering. Die aktuell niedrigen Preise würden zu Verlusten bei Mästern und Ferkelerzeugern führen.
Rindfleischmarkt
Der Verzehr von Rindfleisch zeigt sich mit rund 9 Kilogramm pro Jahr in diesem außergewöhnlichen Jahr 2025 robuster als erwartet. Die Rindfleischpreise haben sich positiv entwickelt. Die Inlandsproduktion ist gesunken, wobei hingegen die Einfuhren gestiegen sind.
Milchmarkt
Im Jahresverlauf 2025 zeigte sich der Milchmarkt mit außergewöhnlicher Dynamik. Während zunächst von Rohstoffknappheit die Rede war, lag die Milchmenge zum Jahresende knapp ein Prozent über Vorjahr. National, EU-weit und global waren die Mengen überdurchschnittlich hoch. Die Erzeugerpreise für Milch zeigten sich bis August stabil, seitdem sind sie rückläufig. Der dramatische Preissturz bei Butter im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) habe zu erheblichen Verunsicherungen der Milcherzeuger geführt.
Geflügelmarkt
Der Geflügelfleischmarkt blieb 2025 stabil. Geflügelfleisch war bei Verbrauchern weiterhin stark nachgefragt und behauptete seine Rolle als wichtiges und vergleichsweise günstiges Fleischprodukt. Besonders Hähnchenfleisch legte weiter zu, während der Konsum von Putenfleisch rückläufig war. Die Erzeugung von Geflügelfleisch stieg insgesamt moderat an. Der Pro-Kopf-Verbrauch erhöhte sich auf rund 20,9 kg. Treiber dieser Entwicklung war erneut das Hähnchenfleisch, das von veränderten Essgewohnheiten und seiner vielseitigen Verwendung profitierte. Der Putenmarkt entwickelte sich dagegen verhaltener.
Die Preise für Geflügelfleisch blieben 2025 überwiegend stabil. Gleichzeitig standen die Betriebe weiterhin unter Kostendruck, insbesondere durch steigende Bau-, Arbeits- und Investitionskosten. Belastend wirkte zudem das Seuchengeschehen der hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI), das regional zu Produktionsausfällen und logistischen Engpässen führte. Für 2026 rechnet der DBV mit einer weiterhin stabilen Nachfrage nach Geflügelfleisch. Während der Hähnchensektor voraussichtlich weiter wachsen soll, erwartet man weiterhin steigende Kosten und Tierseuchen als zentrale Herausforderungen für die Branche.
Eiermarkt
Der Eiermarkt war 2025 durch eine außergewöhnlich hohe Nachfrage geprägt. Der Pro-Kopf-Verbrauch stieg auf rund 253 Eier und erreichte damit einen neuen Höchststand. Eier blieben für viele Haushalte ein wichtiges und preislich attraktives Grundnahrungsmittel. Die Preisentwicklung zeigte sich 2025 insgesamt fest. Die MEG-Preisfeststellung für Bodenhaltungseier der Klasse M lag im November 2025 bei 18,73 Euro/100 Eier und damit rund 24% über dem Vorjahresniveau. Besonders stark nachgefragt waren Eier aus Bio- und Freilandhaltung.
Der Selbstversorgungsgrad Deutschlands verharrte bei rund 72%, sodass der Markt weiterhin stark abhängig von Importen bleibt. Besonders relevant sind die Niederlande, aus denen etwa 80% der Schaleneierimporte stammen. Für 2026 geht der DBV von einer weiterhin hohen Nachfrage, stabiler bis leicht wachsender Erzeugung und einer festen Preisentwicklung aus. Tierseuchengeschehen, Importabhängigkeiten und strukturelle Anpassungen sind aus DBV-Sicht auch weiterhin zentrale Einflussfaktoren für den Eiermarkt.
Weinbau
Der deutsche Weinbau blickt dem Bauernverband zufolge auf ein Jahr der Gegensätze zurück. Während die Ernte 2025 qualitativ als außergewöhnlich gut gilt, steckt die Branche wirtschaftlich in einer historischen Krise. Mit rund 7,3 Millionen Hektolitern lag die Weinernte 2025 um rund 16% unter dem Zehnjahresdurchschnitt und markierte die niedrigste Menge seit 2010. Besonders betroffen waren die großen Anbaugebiete wie Rheinhessen, Pfalz sowie Baden und Württemberg, die zum Teil 20% unter der Vorjahresmenge ernteten. Dagegen konnten Regionen wie die Mosel, Sachsen und Saale-Unstrut nach dem Frostjahr 2024 deutliche Zuwächse verzeichnen.
Alle 13 deutschen Anbaugebiete meldeten eine außergewöhnlich hohe Traubenqualität. Die Weine des Jahrgangs 2025 gelten als aromatisch, konzentriert und elegant. Kleine Beeren und intensive Selektion führten zu hoher Qualität, aber reduzierten Mengen.
Die wirtschaftliche Lage jedoch ist dramatisch: Fassweinpreise von 0,40 bis 0,60 Euro pro Liter lagen weit unter den Produktionskosten von rund 1,20 Euro. Gleichzeitig sank der Marktanteil von deutschem Wein im Inland auf 41%. Zusätzlich wurde der Exportmarkt durch Zölle der USA, dem wichtigste Exportmarkt für deutschen Wein, belastet. Insgesamt dominiert der Lebensmitteleinzelhandel den Absatz: 64% des Weines werden über Supermärkte und Discounter verkauft.
Neben der finanziellen Krise kämpft die Branche mit strukturellen Herausforderungen: Saisonarbeitskräfte sind immer schwerer zu finden und die Lohnkosten übersteigen in vielen Betrieben die erzielbaren Erlöse. Der steigende Mindestlohn ist aus DBV-Sicht eine zusätzliche massive Belastung für die Betriebe. Besonders Steillagen seien betroffen, da diese kaum mechanisiert werden könnten.
Obst- und Gemüsemarkt
Das Jahr 2025 zeigte sich laut Bauernverband für den deutschen Obst- und Gemüsebau als Jahr mit widersprüchlichen Entwicklungen: Zwar waren die Produktionsbedingungen deutlich besser als im Vorjahr, jedoch führten Überangebot, Verbraucherzurückhaltung und steigende Kosten zu erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen für die Erzeuger. Die Schere zwischen Produktionskosten und erzielbaren Preisen öffnet sich weiter und belastet die Zukunftsfähigkeit vieler Betriebe.
Obstbau
Nach den erheblichen witterungsbedingten Herausforderungen in 2024 zeigte sich das Jahr 2025 mit insgesamt günstigeren Produktionsbedingungen. Die deutsche Apfelernte fiel mit einem Plus von 25% gegenüber dem Vorjahr deutlich größer aus als zunächst erwartet. Dabei gestaltete sich die Marktsituation jedoch schwierig. Das Preisniveau lag deutlich unter dem Vorjahresniveau. Die Branche hofft dem DBV zufolge aufgrund der hohen Qualitäten auf eine Marktbelebung.
Die Erdbeersaison 2025 verlief schwierig. Die Freiland-Erdbeerernte lag 2025 bei nur 75.500 Tonnen - ein Rückgang von 4% gegenüber dem Vorjahr (78.600 Tonnen) und die niedrigste Erntemenge seit 1995. Auch die ertragsfähige Anbaufläche ging um 4% auf 8.100 Hektar zurück und erreichte ebenfalls den niedrigsten Stand seit 30 Jahren. Als Ursachen hat der DBV gestiegene Produktionskosten und eine sinkende Nachfrage ausgemacht.
Gemüsebau
Der außergewöhnlich warme, sonnige und trockene Frühling führte 2025 zu einem frühen Vegetationsbeginn mit gut entwickelten ersten Freilandsätzen. Auch im Unterglasanbau zeigten sich gute Wachstumsbedingungen durch die starke Einstrahlung. Besonders im Vergleich zu 2024 lag die Herausforderung für die Branche in einem strukturellen Überangebot.
Die Spargelernte 2025 fiel mit 98.900 Tonnen um 9% niedriger aus als im Vorjahr - die geringste Erntemenge seit 2010. Die ertragsfähige Anbaufläche sank um 6% auf 18.600 Hektar. Steigende Produktionskosten und eine rückläufige Nachfrage veranlassten viele Betriebe, ihre Produktionsflächen zu verringern. Die größten Erntemengen kamen mit 19.700 Tonnen aus Niedersachsen, mit 18.700 Tonnen aus Brandenburg und mit jeweils etwas mehr als 17.000 Tonnen aus Nordrhein-Westfalen und Bayern. Im Laufe der Saison überstieg das Angebot an frischem Gemüse deutlich die Nachfrage. Trotz stetig steigender Produktionsanforderungen und -kosten blieben die Erzeugerpreise auf niedrigem Niveau.
Öko-Markt
Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Produkten ist 2025 dem DBV zufolge gestiegen, während die Erzeugung stagniert hat. Auf Basis vorliegender Marktpanel- und Scannerdaten sei für den deutschen Öko-Markt 2025 ein Umsatzwachstum von etwa 8% zu erwarten. Nachdem der Öko-Lebensmittelmarkt in Deutschland bereits 2024 um fast 6% auf 17 Mrd. Euro stieg, dürfte somit 2025 die 18-Mrd.-Euro-Marke deutlich überschritten worden sein. Wachstumstreiber waren 2025 erneut die Bio-Handelsmarken und bei den Absatzkanälen gehörte, neben dem LEH und den Drogeriemärkten, nach langer Durststrecke auch der Naturkostfachhandel zu den Gewinnern. Die Umstellungsbereitschaft in der deutschen Landwirtschaft war 2025 hingegen erneut verhalten. AgE