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16.12.2025

Emissionen stark unterschätzt

Die Treibhausgasemissionen aus trockengelegten Mooren in Europa sind offenbar deutlich höher als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern verschiedener europäischer Forschungseinrichtungen. Demnach stoßen entwässerte Moore in der EU jährlich rund 232 Megatonnen CO2-Äquivalente aus. Das ist etwa zweimal so viel wie die Mitgliedstaaten bislang im Rahmen des UN-Klimarahmenübereinkommens (UNFCCC) gemeldet haben. Die Abweichung zwischen den tatsächlichen und den bislang geschätzten Emissionen ist erheblich: Nach Angaben der Forschenden entspricht sie in etwa den jährlichen Emissionen des gesamten europäischen Flugverkehrs. Wichtigster Grund für die große Diskrepanz zwischen den wissenschaftlichen Berechnungen und den offiziellen Emissionsinventaren ist laut Studie eine unvollständige Erfassung der Flächen. Als Weiden oder Wälder genutzte Moore würden häufig nicht als solche ausgewiesen. Hinzu komme, dass einige der nationalen Inventare mit unvollständigen Emissionsfaktoren arbeiteten. Neue Karte zeigt Klimaschutz-Hotspots Die an der Studie beteiligten Forscher haben erstmals eine hochauflösende Karte der Treibhausgasemissionen entwässerter Moore in der EU erstellt. Grundlage dafür waren umfangreiche Boden- und Landnutzungsdaten sowie Treibhausgasmodellierungen. Die Karte zeigt, in welchen Regionen der EU die Emissionen aus entwässerten Mooren besonders stark konzentriert sind und wo Wiedervernässungsmaßnahmen das größte Klimaschutzpotenzial entfalten könnten. Das gilt etwa für Irland, die Nordsee-Region, Ostdeutschland, Ostpolen und das Baltikum. Helfen soll die Karten zum Beispiel dabei, politische Instrumente wie die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), das Naturwiederherstellungsgesetz (NRL) oder Carbon-Farming-Programme effektiver zu machen, da sie gezielter auf diese Regionen ausgerichtet werden könnten. Deutschland nicht betroffen Wie Prof. Franziska Tanneberger, eine der Autorinnen und Leiterin des Greifswald Moor Centrums, gegenüber AGRA Europe erklärte, verdeutlicht die Studie, dass viele Länder in Europa ihre nationale Treibhausgasberichterstattung in Bezug auf Moore dringend verbessern müssten. "Unsere Daten zeigen sehr deutlich, dass wesentlich bessere Informationen über die Verbreitung von Mooren verfügbar sind, als sie in vielen nationalen Inventaren genutzt werden", erklärte Tanneberger. Deutschland sei aber nicht betroffen. "Wir haben eine hervorragende Moor-Berichterstattung", so die Wissenschaftlerin. AgE