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15.12.2025

Preispolitik für DBV inakzeptabel

Einen kollektiven Aufschrei in der deutschen Landwirtschaft hat die nochmalige Absenkung des Butterpreises ausgelöst. Mehrere Discounter hatten in der zweiten Dezemberwoche den Preis für ein 250-Gramm-Päckchen Deutsche Markenbutter unter die 1-Euro-Marke gesetzt. "Das ist schlichtweg inakzeptabel", kritisierte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, das Vorgehen des Handels. So könne man ein hochwertiges Lebensmittel nicht verramschen, selbst wenn es als Lockangebot in der Vorweihnachtszeit gedacht sei.
DBV-Milchpräsident Karsten Schmal sprach gegenüber der Bild-Zeitung von einem "Preiskrieg" auf dem Rücken der Bauern. Ein Durchreichen dieser Dumpingpreise würden die deutschen Milchbauern nicht akzeptieren. Der vom Handel angekündigte Margenverzicht reicht nach Ansicht von Schmal nicht aus. Entscheidend für die Bauern sei vielmehr ein spürbarer, positiver Effekt bei der Entwicklung des Milcherzeugerpreises. Der DBV will die weitere Entwicklung aufmerksam beobachten. Auch wenn derzeit noch keine Demonstrationen geplant seien, stehe die Warnung im Raum, die Bauernproteste von 2020 wieder aufleben zu lassen.
Wo bleiben Fairness und Preistransparenz?
Das Landvolk Niedersachsen bezeichnete die abermalige Preissenkung als "Tritt in die Kniekehle aller landwirtschaftlichen Betriebe und gerade der Milchproduzenten". Vizepräsident Frank Kohlenberg warf den Handelsketten vor, ein "desaströses Preisdumping" zu betreiben und dabei mit zweierlei Maß zu messen. Während die Vorstände der Handelsriesen in Dialogformaten Fairness und Preistransparenz betonten, werde in der Praxis das Gegenteil sichtbar.
Aus Sicht des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) ist der aktuelle Preisverfall bei Butter nicht nur verantwortungslos, sondern möglicherweise auch unzulässig. Es stelle sich die Frage, ob Butter noch kostendeckend gehandelt oder möglicherweise unter Einstandspreis verkauft werde - ein Vorgehen, das rechtlich unzulässig sein könne. BBV-Generalsekretär Carl von Butler machte das Bundeskartellamt in einem Schreiben auf die Problematik aufmerksam und forderte eine Überprüfung.
Scharfe Kritik an den Preissenkungen kam vom Landesbauernverband Schleswig-Holstein. "Der Preiskampf der Discounter auf Kosten unserer Bäuerinnen und Bauern muss umgehend ein Ende finden", forderte Verbandspräsident Klaus Peter Lucht. Der Preis für 250 Gramm Butter sei innerhalb eines Jahres um rund 1,40 Euro gesunken. Für die Landwirte sei es nicht nachvollziehbar, wie ein hochwertiges Produkt wie Milch und die daraus gewonnenen Lebensmittel Butter, Sahne und Käse derart verschleudert werden könnten.
Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) will Zeichen für mehr Anerkennung der regionalen Lebensmittelproduktion durch den Lebensmitteleinzelhandel setzen und auch das Gespräch mit den Verbrauchern suchen. Dazu organsierte der Verband am Freitag (12.12.) eine entsprechende Aktion vor einer Lidl-Filiale. WLV-Präsident Hubertus Beringmeier kritisierte das anhaltende Preisdumping. Die Folgen seien sinkende Einkommen für die Bauern und eine fehlende Wertschätzung.
Handel und Politik müssen aktiv werden
Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) wies darauf hin, dass er gerade nicht zu Protestaktionen vor Discountern aufrufe. Der Verband sieht die zentrale Ursache der Preiskrise in den Mehrmengen am Markt, die den Milchpreis massiv unter Druck setzten. Das einzige kurzfristig wirksame Mittel, um den Milchmarkt schnell zu entlasten, sei die politische Aktivierung des in der Gemeinsame Marktorganisation (GMO) verankerten freiwilligen Lieferverzichts gegen Entschädigung. Dieses Instrument sei rechtlich verankert, technisch vorbereitet und sofort startklar, stellte der BDM klar.
Landwirtschaft verbindet Deutschland (LSV Deutschland) appellierte an Handel und Politik, jetzt aktiv zu werden. Der Handel müsse die Preise fair an Markt und Lage anzupassen und dürfe nicht unter Produktionskosten verkaufen. Auf der anderen Seite sollte die Politik endlich faire Wettbewerbsbedingungen schaffen, Marktmachtmissbrauch eindämmen und gleiche Standards für Importware durchsetzen. LSV Deutschland kündigte "deutliche und langfristige Proteste" an, sollte sich nicht kurzfristig etwas bewegen. AgE