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19.11.2025

Werkzeugkasten wird kleiner

Den EU-Agrarministern drückt beim Thema Pflanzenschutz mehr als nur der Schuh. Gleich drei Delegationen - Deutschland, Italien und Ungarn - haben beim Agrarrat am Montagabend (17.11.) Erklärungen zu verschiedenen Baustellen beim Pflanzenschutz abgegeben. Unterstützung erhielten sie von einer Reihe von Amtskollegen. Der zuständige EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi erinnerte die Mitgliedstaaten an die bestehenden Spielräume.
Auf die zunehmende Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade blickt Deutschland besonders sorgenvoll. Für den Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben sowie von verschiedenen Wurzelgemüsen sei das Insekt eine ernst zunehmende Bedrohung. Die deutsche Delegation weist auf Schadensbilder, die Totalverlusten gleichkommen, hin.
Aus Berliner Sicht werden als Gegenmaßnahme neben Schwarzbrachen über den Winter auch wirksame und vor allem verfügbare Pflanzenschutzmittel gebraucht. Die Bundesrepublik will in diesem Bereich mehr wissenschaftlichen Austausch zwischen den Mitgliedstaaten. Zugleich will Berlin bei der chemischen Bekämpfung aber auch den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt nicht vernachlässigt sehen.
Wachsende Probleme mit Goldgelber Vergilbung
Ungarn unterstreicht derweil die zunehmenden Probleme mit der Goldgelben Vergilbung im Weinbau. Budapest beklagt, dass für die Infektion mit Phytoplasmen immer weniger Bekämpfungsmittel zur Verfügung stehen und fordert einfachere Zulassungsverfahren sowie Investitionen in die Früherkennung.
Auch Tschechien und Kroatien kritisierten das fehlende Wirkstoffarsenal, um die Goldgelbe Vergilbung wirksam zu bekämpfen. Derweil weist Österreich auf den Zusammenhang der Zikadenbefallsraten mit dem Auftreten der Goldgelben Vergilbung als Sekundärinfektion hin. Europa sollte aus Wiener Sicht daher eine gemeinsame Strategie zur Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade und anderer Zikadenarten auf die Gleise heben.
Italien pocht derweil auf Vereinfachungen bei Notfallzulassungen. Wenn ein Wirkstoff in einem Mitgliedstaat eine Notfallzulassung erhalten habe, müsse dies in anderen EU-Ländern eine Erleichterung zur Folge haben. Italien will so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Den kleiner werdenden Werkzeugkasten beim Pflanzenschutz erweitern und zugleich drohende Wettbewerbsverzerrungen zwischen den EU-Ländern vermeiden. Mit Blick auf den für Dezember angekündigten Vorschlägen zur Verschlankung des Umweltrechts fordert die italienische Delegation von der EU-Kommission, die Zulassungsverfahren deutlich zu erleichtern.
Umweltomnibus wird Probleme angehen
EU-Gesundheitskommissar Várhelyi stellte derweil mit dem Umweltomnibus eine Reihe von Maßnahmen in Aussicht, um die angesprochenen Probleme anzugehen. Seiner Ansicht nach gibt es aber eine breite Palette an Wirkstoffen, um die Pflanzenhygiene zu garantieren. Mit Blick auf Forderungen nach erleichterten Notfallzulassungen betonte der Ungar, dass dies in erster Linie im Ermessen des jeweiligen Mitgliedstaates liege. AgE