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31.10.2025

Hitze wird extremer und chaotischer

Die europäischen Landwirte müssen sich auf noch stärkere Klimaextreme einstellen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie hin, die vom Earth and Society Research Hub (ESRAH) der Universität Hamburg erstellt wurde. Das Team um Klimaforscher Dr. Goratz Beobide-Arsuaga kommt zu dem Schluss, dass Hitzewellen in Europa nicht nur häufiger und heißer werden, sondern auch unberechenbarer. Besonders in Mittel- und Nordeuropa führten wechselnde Bodenfeuchten zu einem instabileren Klima sowie extremeren, sprunghaften Hitzewellen, während Südeuropa durch ausgetrocknete Böden stabil, aber dauerhaft heiß bleibe.
Den Hauptgrund für diese Entwicklung sehen die Forscher in der Bodenfeuchte. In Deutschland, Polen, Tschechien oder beispielsweise Dänemark wechselten sich im Sommer feuchte und trockene Phasen häufiger ab. Feuchte Böden kühlten zwar, aber nur, solange sie wirklich nass seien. Wenn sie jedoch zwischen feucht und trocken schwankten, könnten sie Hitzewellen sogar verstärken. Verliere der Boden an Feuchtigkeit, verdunste weniger Wasser, sodass sich die Luft kaum abkühle und sich noch stärker aufheize.
Im Süden Europas hingegen – etwa in Spanien, Italien, Griechenland oder auf dem Balkan - seien die Böden schon heute bereits so trocken, dass sie bei weiterer Austrocknung kaum noch mit der Atmosphäre in Wechselwirkung treten könnten, so die Wissenschaftler. Es sei schlicht kein Wasser mehr vorhanden, das verdunsten und Einfluss auf das Wetter haben könnte. Dadurch würden die Schwankungen dort kleiner, die Temperaturen blieben aber dauerhaft sehr hoch. "Wenn der Boden noch reagieren kann, wird die Atmosphäre unruhig. Wenn er völlig ausgetrocknet ist, beruhigt sich das System auf hohem Niveau", fasste Beobide-Arsuaga die Erkenntnisse zusammen.
Das Forscherteam zieht aus seiner Untersuchung auch Rückschlüsse auf die Anpassung an den Klimawandel. Es reiche nicht mehr, nur auf steigende Durchschnittstemperaturen zu reagieren. Vielmehr müssten sich Länder wie Deutschland auf mehr Unberechenbarkeit einstellen. Ein Sommer könne relativ mild verlaufen, der nächste aber plötzlich Rekordwerte sprengen. "Die Variabilität selbst wird zum Risiko", warnte Beobide-Arsuaga. AgE